EDITORIALS

AUSGABE 1

AUSGABE 2

EDITORIAL

Von einigen Betrachtern wird das Werk als Gesellschaftskritik interpretiert, die eine Ent-Schleierung, eine Enttarnung oder zumindest eine Transparenz fordert.

Andere meinen darin die De-maskierung einer Kulturform entdeckt zu haben (man kann ja durch das Netz schauen).

Und dann gibt es Menschen, die die Darstellung als sexistisch deklarieren, weil sie in dem Netz ein zerrissenes Kleidungsstück hinein-fantasieren.

Experten und Kunstkritiker erkennen gar eine Korrelation zwischen spontan um-gesetzter Genialität, animiert durch schöngeistig-schöpferisch-emotionaler Empfindungsintelligenz und der Zu-kunftsproblematik zwischen einer produzierenden Industrie und der blau-äugigen Konsum- und Wegwerf-gesellschaft.

Moment mal. Bei diesem Werk "Gesicht mit Netz" handelt es sich bloß um eine Skizze ohne tiefere symbolische Bedeu-tung. Das Netz, in dem sich vorher Orangen aus einem Supermarkt be-fanden, war achtlos daraufgefallen.    Die Formulierung dieses simplen Umstandes wäre jedoch fehl am Platze, sie würde die Kunst der Wahrnehmung einengen.

Manchmal erzählen Bilder mehr als    nur eine Geschichte, dann kann man sie ohne Worte wirken lassen.

Take Janssen

Take Janssen vor dem Werk "Im Wald sind Gesichter" von Henryo (Bildformat 200x150 cm)

Manchmal übernimmt die Zeit die Rolle des Vermittlers. Eine Eisen-Skulptur zum Beispiel verändert ihr Aussehen aufgrund von Witterungseinflüssen. Rostbildung gibt dem Objekt im Laufe der Jahre eine andere Außenwirkung. Meist ist es so gewollt.     Aber der kunstschaffende Prozess, der schöpferische Einfluss der Zeit lässt sich nicht planen. Die Wahrnehmung zum Zeitpunkt der Kunstwerk-Produktion wird anders sein als in zwanzig Jahren. Natürlich wäre es ein Wagnis, eine Wahrnehmung, die zwei Jahrzehnte in der Zukunft liegt, beschreiben zu wollen.

Da ist eine Zeichnung, eher eine Skizze, von einem Mädchengesicht, das von einem Netz zur Hälfte bedeckt ist.

Wie oft habe ich von Kunstschaffenden gehört   "Ich lasse meine Bilder für sich sprechen" oder "Ich will nicht beschreiben, deshalb male ich ja" oder "Ich lasse ganz bewusst Freiraum für den Betrachter..."                 

An Definitionen, die mit vielen Worten alles offen lassen, mangelt es jedoch nicht in der Kunstkritik in Kunst-zeitschriften und Zeitun-gen. Experten dürfen kritisieren, beschreiben, erklären.

Für Werke, die für sich den Anspruch auf Kunstanerkennung erheben, gilt denn meist nur ein Kanal, nämlich den vom Künstler oder vom Kunstkritiker ausgehenden. Die Wahrnehmung von Seiten des Betrachters wird vom (her-kömmlichen) Künstler selber nicht wahrgenom-men. Meist deshalb nicht, weil sie/er das Werk ohne tiefere Beweggründe geschaffen hat.

Da kommt der Vernissage-Verhaltens-Tipp einer deutschen Wochenzeitung sehr gelegen:

"... auf gar keinen Fall würde ein Vernissage-Profi den Künstler auf die ausgestellten Arbeiten ansprechen. Der Künstler möchte seine Bilder nicht erklären und er will auch nicht unbedingt hören, wie der Betrachter die Gemälde interpretiert. Der Künstler will, dass seine Arbeiten für sich wirken ... er will ver-kaufen ..."

Schön, verkaufen wollen alle immer irgendwas. Aber gehört dazu nicht auch ein bisschen Überzeugungsarbeit, Vermittlung von Information oder schlicht das Eingehen auf den Betrachter und den potenziellen Käufer? Ist denn Kunst kaufen nicht auch ein Teil der Konsumgesellschaft?

In wie vielen "Fällen" wird ein Werk erworben, weil es ihm Trend liegt. Da spielt der Bekanntheitsgrad der Künstlerin / des Künstlers eine große Rolle. Wir leben im Medienzeitalter und wissen, dass eine bekannte Person eigentlich alles an die Frau oder den Mann bringen kann, eben auch ihre künstlerischen Ergüsse. Die Opinion- Leader in der Werbung machen es vor, hier verkauft es sich mit bekannten Gesichtern besser.

Dann muss das Produkt nicht sonderlich erklärt werden, die Wahrnehmung, dass der Opinion-Leader es hat oder es cool findet, reicht. Leider sind die wenigsten Kunstschaffenden so berühmt, dass ihnen die Ateliers und Galeriewände leer gekauft werden.


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